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Wer wählt rechts und warum?

26/01/2011

Nicht nur Benachteiligte, sondern auch der Mittelstand – der etwas zu verlieren hat, wählt rechts. Den MigrantInnen wird dabei die Rolle als Sündenbock gegeben. Wir müssen Motivationen für „rechts wählen“ erforschen (verstehen). Die meisten Wahlprognosen sind schlecht, weil „wir“ die Zusammenhäng nicht verstehen. Zudem sind statistische Daten über das kleinräumige Wahlverhalten nicht frei zugänglich. Hier sind Wissenschaft und Politik gefragt.

Als zentraler Antrieb für das Wahlverhalten und als Stimmung in vielen Gebieten wurde Angst gesehen: „Es wird mir etwas weggenommen“, „Ich habe keinen Raum“, „Es wird über mich (uns) geredet und ich verstehe nichts“. Vor allem wenn das Selbstbewusstsein fehlt, steigt die Angst. Dies scheint für (fast) alle Gruppen zuzutreffen. Um dem zu begegnen, braucht es Diskussion mit den Menschen und dafür ist immer weniger Zeit.

Darüber hinaus wird ständig gesagt, dass Ressourcen fehlen. Die Botschaft ist: „Es ist immer weniger da!“ Stimmt das? Es stimmt nicht, dass zu wenig da ist, es ist die Frage der Prioritätensetzung wofür man wie viel ausgibt – wohin wird das Geld geschaufelt. Bildung und Soziales werden nicht ausreichend / adäquat finanziert. Das ständige Gerede, dass es zu wenig gibt, verstärkt die Angst auch bei denen, die eigentlich noch keine realen Erfahrungen damit haben „Abstiegsängste – Zukunftsangst.
Für viele soziale Aufgaben werden immer weniger Ressourcen bereit gestellt, zum Beispiel für Schulen. Als Reaktion geben viele Eltern ihre Kinder in Privatschulen. Übrig bleiben Klassen, die zu einem hohen Prozentsatz aus benachteiligten ÖsterreicherInnen und MigrantInnen bestehen und dann gibt es Versuche, die Kinder quer durch die Stadt auf verschiedene Schulen zu verteilen, um eine soziale Mischung herzustellen.

Generell machen die Veränderungen im Sozialgefüge vielen Menschen Probleme: Es gibt immer mehr Menschen in ihrer Umgebung, die sichtbar anders sind, „Migrationsvordergrund“ haben. Oftmals geht es dabei auch um die Frage, wer die Regeln bestimmt bzw. wer den Ton angibt. Manche nehmen sich dann zurück und gehen in die innere Emigration (exit-Strategie), andere gehen in die Konfrontation (voice-Strategie).

Unklar ist auch, welche Werte zählen. Nur Leistung? Es gibt in einer vielfältigen Gesellschaft unterschiedliche kulturell geprägte Wertemuster, die schwierig aufeinander zu beziehen sind. Zudem ist – wie in dieser Gruppe schon beim letzten Mal diskutiert – der handlungsleitende gesellschaftliche Wertekanon „von oben“ derzeit nicht auf Gemeinschaft ausgerichtet.
AG: Sozialen Zusammenhalt herstellen

Weil die rechten Gruppierungen Bedürfnisse der Menschen aufnehmen. Ein Beispiel aus Brandenburg: Im ländlichen Raum in Brandenburg gibt es für Jugendliche kaum Angebote, weder von Arbeitsplätzen noch Freizeitangebote, es wird ihnen von der Gesellschaft vermittelt, dass sie nicht gebraucht werden, dass sie überflüssig sind. Organisierte rechtsextreme Gruppierungen machen sich diese Situation zu Nutze, indem sie ihnen „Abholangebote“ machen: Sie laden sie zu Konzerten ein, geben ihnen das Gefühl, in eine Gemeinschaft aufgenommen und wertgeschätzt zu werden und eröffnen ihnen die Möglichkeit, sich zu engagieren. Ähnliche Angebote gibt es auch für Frauen, Ältere, für Unternehmen, für Leute, die sich politisch betätigen wollen, aber anders keine Gelegenheit dazu haben.

Das Resultat ist, dass sich die gewählten PolitikerInnen in manchen Dörfern überhaupt nicht mehr blicken lassen und das Feld gänzlich den Rechtsextremen überlassen.
Beschwerden von MieterInnen von Genossenschaften steigen an, sinnvoll wäre ein Symposium für MitarbeiterInnen, um ihnen Angst und persönliche Betroffenheit zu nehmen, da die Gründe für die Unzufriedenheit der Bewohner andere Ursachen haben (zB. Wirtschaftslage)

Wie gehen wir mit der Angst von Teilen der Bevölkerung um? Angst essen Gemeinwesen auf
Antonia Coffey


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