Posts Tagged ‘Partizipation’

Können wir sozialen Zusammenhalt herstellen?

26/01/2011

Ja, sozialer Zusammenhalt kann hergestellt werden, indem wir dem Konzept des Widerspruchs und damit dialektischem Denken in der Wissenschaft mehr Raum geben. In der Stadtplanung brauchen wir gleichermaßen mehr Raum für Widerspruchs- und damit Konfliktbearbeitung, mehr Experimente mit Formen von Beteiligung und Demokratie und eine systematischere Wahrnehmung der Potentiale von Konflikten.

Des Weiteren müssen wir verstehen, welche konkreten gesellschaftlichen Mechanismen eine relevante Rolle für sozialen Zusammenhalt und die Fähigkeit der Widerspruchsbearbeitung in einer spezifischen Stadt/Nachbarschaft/Land zu einem bestimmten Zeitpunkt spielen. Mechanismen, wie zum Beispiel :
Politik: Wer hat Bürgerrechte und hat somit ein gewisses Mitspracherecht und Rechtsschutz? Entspricht diese Verteilung der Rechte noch der aktuellen gesellschaftlichen Struktur in einer Stadt?
Sozioökonomie: Wer hat Zugang zum Arbeitsmarkt? Gibt es der Struktur des Arbeitsmarkts zu Grunde liegende strukturelle Ungleichheiten? (Situation von Jugendlichen mit Hauptschulabschluss, Arbeitsverbot für Asylwerbende, etc.)
Andreas Novy/Sarah Habersack

Ja, wir können sozialen Zusammenhalt herstellen. Dies ist daran erkennbar, dass sich bei Mitgliedern von Agendagruppen Wissen und Kompetenzen, Kontakte zu PolitikerInnen, Institutionen und vielen anderen Menschen erhöhen. Das verbessert die Chancen auf gesellschaftliche Teilhabe für die jeweils Aktiven und stärkt damit sozialen Zusammenhalt.
Andrea Binder-Zehetner

Sozialer Zusammenhalt kann auf lokaler Ebene, zwischen Milieus, durch Interessensklärung und Organisation von Aushandlungsprozessen in Stadtteilen hergestellt werden. Vertikal ist sozialer Zusammenhalt nur begrenzt herstellbar, kann aber durch die Stärkung von linking social capital (Zugang zu öffentlichen Institutionen und politischen Entscheidungsprozessen) unterstützt werden.
Christoph Stoik

Ich gehe davon aus, dass ein Mindestmaß an sozialem Zusammenhalt in der Gesellschaft vorhanden ist, da dieser das Ziel jeder Sozialpolitik und eine Voraussetzung für eine demokratische Gesellschaft darstellt.

Die Frage lautet daher für mich eher: „Wie können wir den sozialen Zusammenhalt verbessern bzw. wie können wir verhindern, dass unsere Gesellschaft weiter auseinander bricht?“
Allgemein ist es daher notwendig, soziale Ungleichheiten zu beseitigen oder zumindest zu minimieren, Chancengleichheit in Bezug auf gesellschaftliche Teilhabe, Zugang zu Bildung, Gesundheit und zum Arbeitsmarkt herzustellen.

Auf der lokalen Ebene geht es darum, zur Verbesserung des Zusammenlebens und zu gegenseitigem Verständnis beizutragen. Dabei sollen nicht Defizite sondern in erster Linie die jeweiligen Potentiale im Vordergrund stehen und für alle sichtbar gemacht werden.

Dazu ist das Kennen Lernen der jeweils anderen Lebensstile und Gewohnheiten sowie der anderen Bedürfnisse nötig, sowie das Aushandeln von möglichen Kompromissen bei Konflikten
Konflikte bedeuten nicht notwendigerweise eine Gefahr für den sozialen Zusammenhalt, nur wenn diese nicht in einer angemessenen Form ausgetragen, Unsicherheiten und Ängste nicht angesprochen werden, sind Konflikte gefährlich.

Wichtig sind auch Projekte, die es BewohnerInnen unter Nutzung der vorhandenen Potentiale ermöglichen, Kompetenzen zu erwerben und sich mit diesen Kompetenzen in die Stadtteilarbeit oder auch anderswo einzubringen.

Beispiel: Ein von BFI und AMS gefördertes Projekt in Linz, das die Ausbildung von Zuwanderinnen zu „Kulturlotsinnen“ beinhaltet. Diese gestalten Führungen in einem als benachteiligt geltenden Stadtteil zu bestimmten Themen und mit einem jeweils persönlichen Bezug der jeweiligen Kulturlotsin. Diese Führungen erfreuen sich einer regen Teilnahme sowohl von TouristInnen als auch von LinzerInnen, sie tragen zum gegenseitigen Verständnis der jeweils „anderen“ bei und stärken das Selbstbewusstsein der an dem Projekt beteiligten Frauen.
Antonia Coffey

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Was „kann“ Partizipation?

26/01/2011

Partizipation kann lokale Fragen abklären (helfen). Der dabei entstehende Teilhabeprozess ergibt einen sozialen und demokratischen „Mehrwert“.Teilhabe/Partizipation hat eine Prozessdimension und eine inhaltliche Dimension

Es kann sich durchaus ein Konflikt zwischen Inhalt und Prozess ergeben.

  • Inhalt: Teilhabe an den Inhalten, die von der öffentlichen Hand erbracht werden, wenn sich niemand einmischt (gehen von Politik und Verwaltung aus).
  • Prozess: Teilhabe an Prozessen, wie die Inhalte festgelegt werden.

Inhalt und Prozess können zueinander in Widerspruch stehen oder gleich gerichtet sein (mit allen Abstufungen dazwischen). Wichtig erscheint jedenfalls der Weg. Es muss nicht immer ein Konsens gefunden werden, Dissens soll ausgesprochen und dokumentiert werden können. Die Teilnehmenden lernen dabei auch die Standpunkte der andern kennen. Dies kann dann auch die Grundlage für eine (politische) Entscheidung sein. Benefit ist, wenn es gut geht, dass eine politische Entscheidung eher akzeptiert werden kann, die Beteiligten Lust am Gestalten haben und Verantwortung für die Umgebung (das Grätzel) übernehmen. Aber: seitens der Politik muss die Verantwortung auch wahrgenommen werden (nicht nur unangenehme Entscheidungen an die BewohnerInnen delegieren).
AG Partizipation

Identifikation der BürgerInnen mit „Gesellschaft“ wird hergestellt durch Teilnahme (Interessen fließen ins politische Handeln). Das Gestaltungsinteresse von Menschen nimmt tendenziell zu.
Der Ruf nach mehr partizipatorischer Demokratie ist eine Reaktion auf das aktuelle Lobbying durch mächtige Player.

Partizipation steht in einem Spannungsfeld zur

  • lokalen Politik, weil sie die Rolle der Bezirkspolitik in Frage stellt, und zur
  • regionalen Politik: hier gibt es Interessensgegensätze zwischen Städtekonkurrenz und lokalen Interessen

Die politischen Interessen  pendeln zwischen Wunsch nach und Notwendigkeit von Legitimation und dem Ziel der gesellschaftlichen „Integration“ der StaatsbürgerInnen durch Teilhabe.
Christoph Stoik

Partizipation ist ein Mittel zur Demokratisierung. Demokratisierung hat den Anspruch, alle Interessen zu Wort kommen zu lassen, und ihnen Möglichkeit zu geben, gesellschaftlich wirksam zu werden.
Andreas Novy/Sarah Habersack

Welche Voraussetzungen braucht Partizipation?

26/01/2011

 

  • Kollektive Identität (z.B. „Leidensdruck“ oder Gemeinschaftsthema) ist für Partizipation erforderlich
  • Partizipation braucht Handlungsspielraum
  • Partizipation braucht auch Lernprozesse (Perspektivenwechsel)

AG Partizipation

Partizipation: muss man „alle“ erreichen?

26/01/2011

Jeder Partizipationsprozess ist ein soziales System, das auch seine Grenzen hat. Also muss man nie alle erreichen aber jedenfalls die relevanten/maßgeblichen AkteurInnen für die jeweilige Fragestellung der Partizipation. Das Erreichen und Involvieren von AkteurInnen hängt zu einem Gutteil von den vorhandenen Ressourcen (Zeit, Geld, Personen) ab. Bei einigen Methoden (z.B. wisdom councils) wird überhaupt darauf gesetzt mit kleinen Gruppen 12-16 Personen zu arbeiten und mit diesen dafür mehr die die Tiefe zu gehen und dies dann der Öffentlichkeit zu präsentieren. Wenn in einem Grätzel diese Methode regelmäßig angewendet wird, werden zunehmend mehr Personen einbezogen.
Andrea Binder-Zehetner

Je nach Thema sollten möglichst viele informiert werden, alle werden nie mitmachen.
Sonja Stepanek

Es können nicht alle erreicht werden, weil sich nicht alle immer beteiligen wollen (dies ist auch Lebensphasen abhängig). Aber es muss versucht werden möglichst alle Interessensgruppen (Milieus) zu erreichen und speziell benachteiligte Gruppen gezielt anzusprechen, sonst erhöht die Partizipation die Benachteiligung.
Christoph Stoik

„Alle“ kann man kaum erreichen; aber zumindest die Gruppen der maßgeblich Interessierten (Stakeholder).
Peter Mlczoch

Der Anspruch der Gemeinwesenarbeit sollte sein, v.a. diejenigen Interessen zur Artikulation zu ermutigen, die normalerweise schlecht repräsentiert sind (positive Diskriminierung, Anwaltschaft)
Andreas Novy/Sarah Habersack

Welche Formen von Partizipation sind für welche Zielsetzungen angemessen?

26/01/2011

Am besten nachschauen unter www.partizipation.at
Andrea Binder-Zehetner

Je lokaler die Prozesse und Fragestellungen sind, desto partizipativer sollten die Methoden sein. Wenn es um die Einhaltung von Menschenrechten geht, sind klare politische Positionierungen gefragt. Je mehr unterschiedlichen AkteurInnen-Ebenen eingebunden sind, desto breiter getragen ist der gesamte Prozess.
Christoph Stoik


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